Samstag, 3. Oktober 2026

Das geheimnisvolle Wrack am Weg nach Palau

Für einen Teil der Crew ist es der letzte Segeltag, da morgen ein partieller Crewwechsel stattfinden wird, um die Feeling Lost wieder zurück und aus dem Wasser zu geleiten.
Und es ist rein seglerisch wieder so ein Tag wie die letzten. Also einfach herrlich angenehmer Wind. Wäre ich bei solchen Bedingungen nicht gerade auf einem Segelboot, es wäre schlicht deprimierend.
Bei Südostwind kreuzen wir also im Uhrzeigersinn um das Inselarchipel der Maddalenas. Eine kleine Rast vor Anker legen wir in einer engen Durchfahrt zwischen zwei Felseninseln ein, zur Jause, und für die Beschnorchelung eines auf der Seekarte eingetragenen Schiffswracks. Diese Stelle lässt sich dank des neuen Plotters sehr genau orten, allein das Ding selbst ist nicht auffindbar... verrottet?... gestohlen? .... fake news? Bevor unser alte Lady selbst zu genau jenem Wrack wird, lichten wir den Anker und kreuzen raumschots Richtung Palau. Wir müssen also genau dorthin, wo auf unserer ganzen bisherigen Reise der dichteste Verkehr herrscht, sowas ist ja immer spannend. Im Vergleich zur Ausfahrt aus Stockholm im Vorjahr jedoch noch immer ein Klacks. 
In Palau selbst wollen wir am Stadthafen anlegen. Nun kommt der Umstand zum Tragen, das wir im Zuge der letzten Tage zwar das Ankern und Segeln gut im Griff, aber kein einziges Mal an einem Steg angelegt hatten. Wir waren also in keinster Weise eingespielt. Zusätzlich dieser Seitenwind beim Manöver und die sture Yacht, die um nichts in der Welt den Bug gegen den Wind drücken lässt. Der Radeffekt sabotiert auch noch zusätzlich. 
Entgegen der dafür vorgesehenen Schulbuchmethode - Heckleine an der Mole in Luv fixieren und danach Vorwärtsfahrt- verweigert sie diesen Move und treibt stattdessen trotz fixiertem Heck unerwartet weiter ab, schräg gegen die Mole. So schnell kann man gar nicht NEIIIN !! schreien und einen Fender hineinhalten und schon touchiert die Steuerbord Heckkante den Beton. Zwar nicht mit Schwung, aber für eine total unnötige Blessur reicht es allemal. Mit der Mooringleine gelingt es dann endlich eine 90Grad Position zur Mole einzunehmen. Unrühmliche Geschichte, an deren Lösung wir noch grübeln werden. 
Aperitivo in der offenbar angesagtesten Bar des recht schmucklosen Ortes und Dinner in JO's Ristorante runden den Törn wunderbar ab.
Danach lässt sich der rote Halbmond bei Aufgang zwischen geankerten Booten blicken. Kitsch as kitsch can, unglaublich. 
Zu welchem Zeitpunkt soll man aufhören zu erzählen? Wenns grad am schönsten ist. Also lassen wir doch den Blog hier enden, besser kann es jedenfalls bis morgen mittags, zur Abreise von 3 der 5 alten weissen Männer (ja ok... einer von den Fünfen ist ein jüngerer weisser Mann) nicht mehr werden.
Ciao Ragazze und Ragazzi!



Donnerstag, 1. Oktober 2026

Bonjour la France in der Straße von Bonifacio

Die Crew erwacht über mehrere Stunden verteilt bei völliger Windstille und Sonnenschein. Frühstücken, Schwimmen, Kaffee schlürfen, kurz: Dolce far niente.
Wie geplant erwacht dann auch noch der sanfte Wind um halb 11.
Somit können wir getrost hinaus fahren in die Straße von Horm..... äh... Bonifacio, die berüchtigte Gegend -zwar ohne Öltanker- dafür mit meist unsympathisch starkem Westwind (Mistral) und folglich hoher Wrackdichte. Heute aber allerfeinst, keine Ahnung womit wir das verdient haben.
Der Südostwind schiebt die Feeling Lost in französische Hoheitsgewässer, sie hat somit nach vielen vielen Jahren wieder mal die Staatsgrenze überschwommen. Danach kreuzen wir wieder zurück um die vorgelagerten Inselchen, immer im Angesicht Korsikas und Sardiniens.
Im Zuge der zahlreichen Halse- und Wendemanöver lernen wir die neue Genua so richtig kennen. Sie hat die jugendlich kecke Eigenschaft sich während des Manövers völlig planlos um die Wanten zu wickeln und sich an Stellen am Boot zu verirren wo sie absolut gar nichts zu suchen hat. Mit der Zeit gelingt es uns aber dieses widerspenstige Segel zu zähmen.
Nach der etwa 6 stunden dauernden Runde werfen wir wieder in der selben Bucht auf der Insel La Maddalena wie gestern Anker.
Die neuen Navigationsgeräte inklusive Log haben sich dabei- nicht erst heute- mehr als bewährt.
Zu diesem Zeitpunkt sei angemerkt, sind bereits weitere Restbestände der jahrzehntealten Bordbar in Form der bewährten Doppelblindstudien geleert. Die gehörn schliesslich weg. Und die Bar braucht Platz!
Des Abends werden Caprese und Gemüseeintopf a la Harry kredenzt.
Bon appetit! (La Corse immer noch in Sichtweite).
Danach wird zu gepflegtem Rosé und gepflegten oiden Hadern gepflegtes Crew-Spiel gespielt. 

Mittwoch, 30. September 2026

Influenza, Influencer, Hauptsache gsund

Der 3. Segeltag fängt ganz anders an als die davor, der Dokta ist rechtzeitig beim Frühsport, nachdem wir ihn am ersten Tag noch wecken mussten, der TO hat an Termin, nein wir meinen nicht dasselbe, und das einfache Crewmitglied ist überhaupt etwas neben der Spur.
Das hatte aber nichts mit der gestrigen Partie "Die Crew Mission Tiefsee" zu tun, zu der wir nach eher gelangweiltem Huansspü übergegangen sind. Die Mission wollte einfach erst auf den 7 Sitz gelingen. Ja die 3 Jahre Abstinenz sind nur an der Bordbar spurlos vorbeigegangen.
Um 11 Uhr haben sich aber alle wieder gefangen und konzentrieren sich voll und ganz auf die wichtigste Hauptsache im Leben. Das Segeln natürlich. Endlich geht es an die Costa Smeralda, die Maddalenas, die Inselgruppe die voller Grippiger (aka Influenza) steckt.

Porto Cervo ist so eine Ausgeburt an Dekadenz, wir lassen es ganz weit links liegen, bemerken aber natürlich die Laser-gesteurte Anfahrhilfe. Schließlich bedeutet ja eine Millionenyacht nicht, dass man Navigieren kann. Aber Rotgrün-Blindheit sollte man auch wieder nicht haben, sonst gesellt sich ein Kreuzerl auf der Seekarte dazu. Wobei die meisten Wracks hier wohl schon länger ruhen. 

Die Mittagsrast auf der der Insel vorgelagerten Isola Caprera hatte aber neben der obligatorischen Packerlsuppe noch so einiges zu bieten. Irgendwie umgeben die Feeling Lost, sobald sie zum Stillstand kommt unaufgefordert Menschenmassen.Gestern eine Gruppe von Kanuten und Jollenseglern, heute einzelne Wandergruppen und ein Inselschwimmbewerb mit Bootsbegleitung. Nirgends hat die alte Dame ihre Ruhe.
Die Verkehrsdichte nimmt hier deutlich zu und durch eine Regatta kreuzen, müssen wir auch noch. Naja es kann nicht immer ein Citymarathon sein den wir crashen. 

Natürlich muss man das Geld aber auch hier abschöpfen und so ist für die Einfahrt in den Nationalpark Maddalenas ein Obulus zu leisten. Modern gedacht ist es aber, denn Segelyachten bezahlen nur die Hälfte! Gefällt uns natürlich. Darf ich gar nicht erwähnen dass, während ich diese Zeilen schreibe unser Diesel rennt um die Batterien nachzuladen. Da es heute ja ziemlich bewölkt war hat die schiffseigene Photovoltaik nicht ausgereicht. Das ewige Dilemma aus Wind und damit wenig Motorfahrt aber wenig Sonne. Und Bier warm werden lassen ist Quälerei!
Die Feeling Lost verfügte zwar über einen Wellengenerator, aber da ist uns Fahrt dann doch lieber. In einige Buchten erhaschen wir Blicke auf enggedrängte Sonnenanbeter, wenn die wüssten, dass nur 50 Meilen südlich sich einsame kilometerlange Strände erstrecken. Wir werden es ihnen nicht verraten. 
Nach Bernis berühmten Curry gab's noch eine Partie Crew, dabei zeigte sich, wer eine Mission hat, hat no laung kaan Auftrag!
Guade Nocht


Dienstag, 29. September 2026

Ein Wort vom einfachen Crewmitglied

Manchmal muss man einsehen, dass die erste Reihe zwar fuss- aber nicht streßfrei ist, als gelernter Österreicher konnte ich aber natürlich nur zur Seite treten! Rücktritte sind ja ausgeschlossen.
Daher habe ich das Heft aus der Hand, und das Steuer abgegeben, um nach diesem doch sehr aufreibenden Sommer etwas zur Ruhe zu kommen. Ihr werdet sagen ich werde alt, ich sag nur Ja! Hoffentlich.
Zu den letzten beiden Tagen ist ja soweit alles gesagt, altbekannte Bars, Cafes und Ristorante wurden wieder heimgesucht, meine Lieblingskellnerin im Star-1-Cafe mit Blick auf den Hafen in Arbatax wundert sich schon lange nicht, mit wem ich jetzt wieder antanze. Und mein 1er-Menü kennt sie auch.
Warum ich so lange schwafel? Weil's über den heutigen Tag wenig Nennenswertes zu berichten gibt! Ein absolutes Luxusproblem, aber es war einfach genauso schön wie gestern, die Reise ging weiter, konstanter Wind aus Süd, trägt uns ca 5h an Isola Tavolara vor Olbia vorbei an den Spiaggia d'Ira nach Porto Rotonde.   Manöverarmer Tag. Solange haben wir in den letzten 51 Jahren noch nie an einer Flasche gezuzelt. Wir nähern uns stetig den Instagram-verseuchten Stränden. Alleine dieses Jahr haben Zehntausende Amis die Insel für sich entdeckt. Aber im September ist es hier einfach am Schönsten! Die Wassertemperatur ist größer als die Zahl der Boote in der Bucht. Diesen Grad!Messer muss ich mir merken.
Als Eigner hätte ich jetzt noch ein paar Dinge anzufügen, aber dafür dass von der Ankerwinsch bis zum Topplicht vieles neu ist, funktioniert das meiste. Wir müssen uns halt in die Kleinigkeiten etwas eingrooven. Aber Fred mein Freund hat mir gerade geschrieben, wie erbärmlich seine Werft gerade wieder ist und Massimo hat immerhin rechtzeitig alle Arbeiten erledigt. Dass aus den geplanten dreieinhalb nur 2 Wochen geworden sind ist ja eine ganz andere Geschichte. 

In diesem Sinne, ein Hoch auf alle einfachen Crewmitglieder.

Euer Käptn, ääh....Zwaara

Bauchfleck, und ab geht die Post

Es ist Montag. Die Werftmannschaft trudelt gemütlich kurz nach 8 uhr ein. Die letzten Handgriffe unsererseits sind rasch erledigt, während der Kranwagen gestartet und vorbereitet wird. Wie anständige Besucher eines Patienten im Spital verlassen wir das Zimmer während der Behandlung. Wir gehen also Frühstücken während sich die Spezialisten ans Werk machen. 
Um halb 11 hören wir das Brummen, als der fahrbare Kran mit dem Boot zwischen den "Beinen" übers Werftgelände daherkommt und zur Slipstelle fährt.
Im Zeitraffer betrachtet folgt nun eben der Bauchfleck. 

Jetzt muss alles schnell gehen, Motor starten und checken, und da dies völlig klaglos funktioniert, legen wir auch schon ab, Ciao Arbatax!
Kaum aus der Bucht draussen setzen wir Segel um den Rest des Tages mit leichtem raumem Wind (5 bis 13Knoten) nach Norden zu fahren, ohne jegliches weitere Manöver über etwa 40 Meilen. Daher muss jede kleine Kursänderung für einen Manöverschluck herhalten. Was bei einem langjährigen Crewmitglied zur Frage führt: Manöverschluck...äähh für welches Manöver jetzt? Solch eine Frage gab es bisher noch nie. 
Bereits bei der geringen Schräglage, vor allem aber als dann doch ein gewisser Wellengang daherkam, bewähren sich die 3D- gedruckten Dosenhalter außerordentlich, ein Hoch auf Harry!!
Bei Sonnenuntergang, als der Wind nachlässt, wird erneut der Motor getartet, die restlichen 10 meilen bis zur Ankerbucht Cala Santa Anna zaaahn sich ein bisserl. Aber dann Ankern ohne Probleme. Spaghetti von George zubereitet, werden gierig verschlungen. Gute Nacht.


Montag, 28. September 2026

Das Comeback der Feeling Lost

Der seit 3 Jahren herbeigesehnte Moment scheint nun in greifbare Nähe gerückt. 
Die Anreise der LostCrew erfolgt in mehreren Raten per Airport Olbia.
Und weiter per Mietwagen nach Arbatax, wo die Feeling Lost neben zahlreichen anderen Ebenbürtigen im 3 Jahre dauernden Winterlager sehnsüchtig auf uns wartet. Das kann man sich zumindest so einreden. Eigentlich wartet sie darauf, endlich wieder Wasser unter dem Kiel zu spüren. 
Hinter ihr liegen ein "Parkschaden" mit der Folge einer Riggerneuerung und viele Arbeitsstunden seitens Berni und mehrerer helfenden Hände. ...all jenen gebührt ein mehrfaches "soits lebm!"
Kurz vor Mitternacht kommen wir in der Heimatwerft Arbatax an. 
Die nun noch notwendigen Arbeiten vor dem zu-Wasser-lassen (wie der Urologe es nennt) beanspruchen den folgenden Tag.
Beiboot checken , undichte Klospülung kleben, neues Sonnensegel montieren, ventile checken sind nur ein minimaler Teil, der Tag ist ausgefüllt, Langeweile kommt nicht auf. Ganz anders als Segeln bei Flaute. Das Wetter ist gut, nicht zu heiss. 
Wesentlich ist natürlich vor jedem Törn der Einkauf des Proviants. Auch das geschieht an diesem Sonntag.
Gegessen wird -nach einem guten Frühstück im Lokal beim alten Hafen- tagsüber nur das Nötigste. 
Was zu den Vorarbeiten sehr wohl dazugehört, ist auch das Durchtesten der Bordbar. Da sich ein paar ältere Wässerchen von Voraufenthalten bzw. vergangenen Törns gefunden haben, erfolgt die Verkostung in Form einer Doppelblindstudie. 2 Crewmitglieder müssen jeweils ein Getränk kosten, wenn darauf beide erblinden, scheidet es für den weiteren Genuss aus.
Erfreuliches Ergebnis ist, keine Flasche muss vernichtet werden, jedenfalls nicht im Müll. 
Soweit zufrieden, wenn auch ermattet, geniessen wir das Abendessen im Zentrum von Arbatax. Buona notte!

Montag, 8. September 2025

Zugabe

Weil wo ein Vor da auch ein Nach...
Und ist ja nicht so dass die SupportCrew nichts erlebt..
Das Gerüst aka 2seitiges pdf von Fred hat gehalten, aber der LOSTSupport hat einiges interpretiert. Natürlich zu Gunsten der Qualität der geforderten Arbeiten!

Es hieß na nicht nur das Schiff ordentlich sondern auch selbst einen guten Eindruck zu hinterlassen. 

Wir wollen ja vielleicht mal wiederkommen.
Und selbst wenn nicht, möchte ich nicht die nächsten 800 Arbeitstage den schiefen Blick von Fred ertragen müssen, der dann mit einem Seufzer...tja, die Österreicher, vor sich hinmurmelt..Die LOSTCrew hat hier einen Ruf zu verteidigen!

Zeit hatten wir genug, um es gemütlich anzugehen, die letzten GösserNaturRadler-vorräte mussten ja auch noch weg, überhaupt habe ich festgestellt, wird im Norden weniger gesoffen als im Süden, uns blieb doch einiges über...außer Bier natürlich...das war genauest kalkuliert, sodaß wir gestern noch ein letztes Putzbier hatten.
Die 5 Flaschen BilligWodka hab ich ja gut versteckt, die wurden heute final zur Einwinterung vergossen.
Gestern zur Mondfinsternis hatten wir noch den guten Einfall, unsere Aussicht nach Osten durch eine Sonnenuntergangsfahrt zu verbessern, aber der Mond hat wohl den Wecker gesnoozed, denn er kam erst eine Stunde nach Aufgang über den Horizont und sah auch nicht sehr ausgeschlafen aus.
Davor gabs noch selbsteingeladene Burger, der konnte denen aus Stockholm durchaus das Ketchup reichen.
Okay, mein Burger hat sich gegendert..

Jaja ich höre euch...selbsteingeladen, was soll das wieder heißen!? Selbstgemacht, selbstgegessen, aber wie?

Naja selbsteingeladen ist wie fremdschämen für sich selbst. Man macht alles selber. Die Einladung aussprechen, selbst essen, nur zahlen lässt man die beiden die schon abgereist sind. Unfair? Mitnichten... also finde ich halt🙂 Die können froh sein, dass sie schon daheim sind! Im wahrsten Sinne! Die kriegen alle eine Uhr von mir zum Christkind, weil der Zug nach Stockholm wär auch ohne sie gefahren.

Eingepackt und umgeparkt hamma auch schon, morgen 08:30 wird das Boot gekrant also eigentlich geslippt, na ich bin schon gespannt und dann heißt es auch für die letzten LOSTboys :

Hejda Sverige!