Dienstag, 2. September 2025

Alles anders

Zuletzt haben wir noch philosophiert und spekuliert wie man zu gutem Wind kommt. Wir dachten, wir wären dem Rätsel auf der Spur. Unsere "Massnahmen" hatten ja zu ganz guten Ergebnissen geführt. Aber noch bevor wir gestern abend -diesmal erfolgreich- an Fels und mit Heckanker in der Bucht auf Ranö festgemacht haben, gabs noch einmal einen schönen Schub aus Südost, der die Bare Necessity mit über 6 Knoten durch den Schärengarten pflügen ließ. Und das gänzlich ohne unser Zutun!! 
Naja lassen wir das, diese Studie wird spätestens morgen früh abgebrochen. Siehe dort.
Erstmal aber springen 2 Crewmitglieder ins gar nicht mal ganz so kühle Nass, in Ermangelung einer Dusche, und für Diverses. Insider wissen schon...
Dann gabs ein Gröstl vom Captain zubereitet. Und danach ein neues Kartenspiel. Aber Neuerungen sind vielleicht nicht das richtige für 4 alte weisse Männer. (Was soll eigentlich immer dieser sonderbare Rassismus? Glaubt ihr, dass 4 alte schwarze Männer besser abschneiden würden?).
Gute Nacht und Guten Morgen! Nach teils sternenklarer Nacht starten wir voller Elan, im Wissen, dass draussen, ausserhalb der Bucht, ein schöner Wind auf uns wartet.
Noch bevor wir überhaupt dran denken können Prozente gegen Knoten einzutauschen, segeln wir schon mit 6 Knoten Richtung Südwesten, bei 3 - 4 Beaufort aus Südost. Wir müssen sogar eine Stufe reffen, damit das Boot ruhiger liegt. Wir lassen die Schären hinter uns und begeben uns auf die offene Ostsee. Das bringt naturgemäss auch entsprechenden Seegang mit sich. Und das wiederum 
führt recht schnell zu entsprechendem Rumoren in der Magengegend, vor allem wenn man nicht mit dem verdammten Wellenzeug gerechnet hat. 
Aber keine Sorge, nix passiert, ihr könnt getrost weiterlesen. 
Denn es werden 9 Stunden bei besten Bedingungen werden. Und das die ganze Zeit auf einem Bug, also ca 30grad Krängung, und also gänzlich ohne Manöver(schlucke). Naja, also fast.....
An dieser Stelle möchte ich endlich mal den Ermöglicher dieses Törns unbekannter Weise grüßen! Vielen Dank, Fred, soist lebm!!! (wienerisch für "Lebe hoch Fred!). Die Yacht liegt ohne Ruderdruck erstklassik am Wasser, "ur leiwand", der Fachbegriff dafür. 
Schiffsverkehr haben wir hier kaum zu beachten, dafür machen wir immer wieder ganz nette Tierbeobachtungen. Seehund, Seeadler, Haubentaucher, Kormorane,  Graureiher, und so auf diese Art... Allesamt leider viel zu schnell wieder aus der Kameralinse verschwunden.
Wir erreichen um 18Uhr auf der Insel Harstena die Bucht Flisviken, wers genau wissen will, um zu Ankern.
Ich muss jetzt mal schliessen weil das Abendessen ruft. Herrliche Penne a la capetan.
Prost Mahlzeit!

Montag, 1. September 2025

Es wird wissenschaftlich - oder verschwörungstheoretisch?

Liebe Alle, die Lostcrew in Urbesetzung ist wieder mal unterwegs, eigentlich schon mittendrin. Kurzer Exkurs zu gestern: Vasa. Ein Museumsschiff samt Story die man nicht in 2 Stunden erfassen kann, selbst wenn man davon schon mehrmals gelesen und gehört hat.
Die umstände an bord und die segeltechniken des 17jahrhunderts lassen unseren bevorstehenden und alle vergangenen törns nicht mal als Kindergeburtstag erscheinen. 
Mittags gehts aber für uns los, die "Bare Necessity" mit ihren 36 Fuß Länge wird aus dem Zentrum Stockholms hinausgefahren mitten in das Gewirr der Schären. Klingt lustig und schön, aber glaubt mir, während dieser Fahrt werden alle 8 Augen benötigt um den regen Schiffsverkehr, bestehend aus Fähren, Kreuzfahrtschiffen und rasenden Motorbooten und um die enge Wasserstraße zu überblicken. Da bleibt kaum ein Auge für die Schönheiten der Umgebung. 
Seglerisch bietet die erste Ausfahrt wenig; aber das wäre auch fast zu viel des Guten. 
Hauptsächlich unter Motor fahren wir bis etwa 18uhr zwischen Inseln, an Felsen vorbei, plötzlich dem einen oder anderen Speedboot gegenüberstehend (es ist Sonntag) zu einer Insel, die nach einem IKEA Regal klingt, Krokholm, und in eine absolut malerische Bucht hinein. Wir legen wie ortsüblich mit Heckanker und dem Bug voran am Felsen an. Vorleine um eine Kiefer gewickelt. Herrlich. Vollkommene Ruhe. Absolute Windstille. 4G Mobilfunkempfang. Harry macht sich in der Kombüse zu schaffen und zaubert ein Risotto hervor. Wein, risotto, Luxus pur. Ruhe kehrt ein nach den Aufregungen und Eindrücken des Tages. Längst haben wir uns aus den Ölzeugen geschält. Die zahlreichen Gelsen ziehen sich zurück, Finsternis und Nieselregen ziehen auf. Und dann macht es RUMS! Die erste Brise des Abends hat den Heckanker zum Rutschen gebracht und das Boot ganz leicht an den Felsen gedrückt.
Huch! Was tun? 
Wir entscheiden uns fürs Ankern in der Mitte der Bucht. Amen, das Eisen hält. Ankeralarm wird aktiviert. Dieser gibt Ruhe die ganze Nacht und bis weit in den Morgen. 

Und damit darf ich an die Worte meines "Vorredners" anschließen. Es geht um das Novum für mich, betreffend die morgendliche Geschäftstätigkeit. Wassertemperatur und die quirlige Quallenpopulation lassen ein Bad nicht zu, daher lerne ich den Umgang mit dem Bord-WC. Und denke dabei an die Gepflogenheiten, die diesbezüglich im 17. Jahrhundert gepflegt wurden. Davon mehr zu erfahren im Vasa Museum bitte sehr. 
Nach gutem Frühstück, vom Skipper angerichtet, wird der mit Schlick behaftete Anker händisch gelichtet, und es geht nun weiter südwärts. Heute, Montag, deutlich weniger Verkehr in den Schären, und zeitweise recht guter Wind aus Südost, kurz mit max. 10kn Windgeschwidigkeit. Und das ganze vollkommen ohne Seegang natürlich. 
Und damit komme ich zurück zum Titel dieses Blogs. 
Gestern noch haben wir an die Crewmitglieder, die im Homeoffice sind, dieses Foto mit den 2 Bierdosen gepostet. 
Dies hat zur Bemerkung geführt: aha, 0.0 prozent alkoholgehalt, und offensichtlich auch 0 knoten Wind. Womit er nicht ganz unrecht hatte, leider. Dazu muss man wissen: alkoholfreies Bier gabs bis dato an bord noch nie, und ist im heurigen Fall einem Irrtum geschuldet. In Schweden kann das halt auch leichter passieren, dass man so etwas -versehentlich- kauft. Jedenfalls die Theorie hatte etwas für sich. Unser heutiger Auftrag war es also, eine Korrelation herzustellen zwischen Prozent im Bier und Windgeschwindigkeit. Und ihr könnt es jetzt glauben oder nicht. Um 10 uhr wurde mangels vernünftiger Windstärke eine noch vorhandene 4,7 prozentige Ichnusa (zu wissenschaftlichen Zwecken) geöffnet und kurz darauf zeigt der Tacho: 4,7 Knoten! Wenige Minuten später muss eine 3,5 prozentige Schwedenbierdose dran glauben und praktisch mit den lauten Krach des Öffnungsvorgangs stellt der Tacho auf 3,5 Knoten. Das kann doch alles kein Zufall sein! Auf jeden fall aber eine Lehre: die 0.0 prozent bleiben erstmal im Kühlschrank. 
Es ist aber damit noch nicht zu Ende, denn einige Dosen später gleiten wir kurzfristig sogar mit 5.6 promille dahin.
Ähh... Knoten meine ich, rülps....
Sogar mit dem 25prozentigen Manöverschluck-Rum hats ein bisserl funktioniert, muss man schliesslich alles erforschen!
Wir steuern für heute abend wieder irgendsoeinen IKEA Lehnstuhl an, Ranö.
Was aber noch wichtig war heute: 3 Seehunde haben wir relativ nahe gesehen! Ur herzig!  Wir würden glatt einen mit nach hause nehmen wenn einer Anschluss sucht. Daweil ist aber noch keiner an Bord gehüpft.
Okay das wars mal für heute, mögen die Wikinger uns den Regen weiterhin fernhalten, bis später mal!